Elisabeth Haug

Die einsame Masse. Dass Bildarchiv der Außenstelle Südbaden/Landesstelle für Volkskunde im Spannungsfeld zwischen kuratorischem Anspruch und archivischer Wirklichkeit
(18:19 min)

Elisabeth Haug (M.A.) hat Volkskunde, Soziologie, Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg studiert. Seit 1993 arbeitet sie bei der Außenstelle Südbaden/Landesstelle für Volkskunde des Badischen Landesmuseums in Staufen i.Br., die sie seit 2014 leitet. Einer ihrer Arbeitsschwerpunkt ist die Sammlung und Dokumentation regionaler Fotografie.

3 Antworten auf „Elisabeth Haug“

  1. @E. Haug und U. Hägele: zwei beeindruckende Bestände (noch dazu hervorragend dokumentiert) – herzlichen Glückwunsch zum Fund bzw. zum Archivbestand!
    Zwei Fragen habe ich an beide:
    Lassen sich an Bildmotiven, Formensprache und fotografischer Praxis ggf. (ästhetische) Vorbilder erkennen? Vielleicht gibt es entsprechende Literatur (Journale, Anleitungen) in den Beständen?
    In beiden Vorträge wird der Begriff Hobbyfotograf bzw. Amateurfotografin verwendet. Können Sie Aussagen dazu treffen, wie sich A. Brenzinger bzw. H. Pietsch von professioneller Fotografie abgrenzen lassen in Bezug auf Bildprodukte und fotografische Praxis?

    1. Bestimmte ästhetische Vorbilder bei bzw. in den Aufnahmen von Annemarie Brenzinger sind für mich nicht augenfällig. Das liegt allerdings nicht daran, dass ihre Aufnahmen eine ganz spezielle individuelle Formensprache aufweisen – ihre Landschafts- und Reiseaufnahmen bestechen eher durch die Schönheit der Landschaft, die Exklusivität der Reiseziele und die Faszination, die historische Aufnahmen heute auf uns ausüben, als durch Originalität. Bei einzelnen Landschaftsaufnahmen glaubte ich verwandte Bilder aus Publikationen zu kennen, an denen sie sich vielleicht orientiert hatte, musste dann aber feststellen, dass Annemaries Fotos die älteren waren. In ihren Fotografien von Ingenieursbauwerken lässt sich an ihrem Blick für die dort entstandenen Linien, Flächen, Formen und Strukturen, deren Ästhetik sich in ihren Aufnahmen offenbart, eine gewisse Nähe zur Neuen Sachlichkeit vermuten, was aber auch nur dem Sujet geschuldet sein könnte.
      Annemarie Brenzinger war fotografische Autodidaktin und hat sich mithilfe von Handbüchern der Photographie (Eder, Vogel, Kaiserling) und Fotoliteratur gebildet und auch an den dortigen Aufnahmen orientiert – aber eine bestimmte Richtung ist nicht zu erkennen, da die in den Jahren von 1898–1960 von ihr abonnierten über 40 verschiedenen Fotozeitschriften, Jahrbücher und Almanache zur Photographie wiederum Einzelhefte bestimmten Techniken oder bestimmten Genres widmeten und eine Vielzahl von Abbildungen vieler verschiedener Photographen enthielten. Lediglich ein gewisser Überhang an Fotoliteratur zu Gebirgs-, Winter- und früher Farbfotografie ist in ihrer Bibliothek zu erkennen – was auch daran liegt das Annemarie Brenzinger jedes Jahr mehrere Monate im Engadin verbrachte – hier sind besonders schöne autochrome Landschaftsaufnahmen entstanden.

      Annemarie Brenzinger war Mitglied des Verbands deutscher Amateurphotographen, bei dessen Ausstellung im Grassimuseum sie 1932 den 2. Preis erhielt und auch 1936 noch einmal ausgezeichnet wurde. Aufgrund ihrer großbürgerlichen Herkunft und Heirat war Annemarie Brenzinger als Unternehmergattin nicht berufstätig, für Kinder und Haushalt stand ihr Personal zur Verfügung, ihr Ehemann billigte ihr Hobby (ob Heinrich Brenzinger ihr die Ausübung des Berufs der Fotografin gestattet hätte, ist dagegen mehr als fraglich). Dadurch war Annemarie frei in der Ausübung der Fotografie, lt. ihrer Tochter Annibet fotografierte sie ständig und alles oder war in der Dunkelkammer. Im Unterschied zu einem Berufsfotografen, der mit seinen Dienstleistungen oder Produkten seinen Lebensunterhalt bestreiten muss, war sie frei in der Motiv- und Technikwahl und konnte sich mit Bromöldrucken und auch mit der teuren, zeitintensiven und durch die lange Belichtungszeit fehleranfälligen autochromen Fotografie – noch dazu für Innen- und Winteraufnahmen – beschäftigen. Obwohl ihre Aufnahmen der Baustellen und Ingenieursbauwerke der Firma Brenzinger für Werbeschriften und zur Bebilderung in Bauzeitschriften verwendet wurden, hieß es aus dem Familienkreis, Annemarie wäre zu diesen Aufnahmen nie verpflichtet worden. Man hätte die Fotografien verwendet, weil sie nun mal „da“ waren.

    2. Zur fotografischen Praxis der 1950er bis 1970er Jahre von Heinz Pietsch lassen sich allenfalls im professionell-künstlerischen Bereich Vergleichsbeispiele finden. Im Amateurbereich sind zumindest die Alltagsobjekte (Honigbrot, neu gekaufte Schuhe, Einkäufe aus dem Supermarkt etc.) nach meinen Recherchen beispiellos.
      Die Grenzen zwischen Amateurfotografie und Profifotografie sind in rein bildnerischer Hinsicht fließend und entsprechend auch nicht zielführend.
      Natürlich kann man eine Definition finden: Profi ist gleich: fotografische Ausbildung und Lebensunterhalt durch Fotografie. Aber das bringt uns dann auch nicht viel weiter.

Schreibe einen Kommentar zu Ulrich Hägele Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.