Theresa Jacobs und Ines Keller

Von der Schwierigkeit, Bildarchivalien zu rekontextualisieren. Ein Fallbeispiel aus der Untersuchung zur Lebensweise und Kultur in der zweisprachigen Lausitz von 1987
(16:37 min)

Theresa Jacobs (Dr.) hat in Leipzig, Krakau und Bratislava Musik-, Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie Germanistik studiert.  Zu den Schwerpunkten ihrer Forschungsarbeit gehören neben der Musik- und Tanzwissenschaft auch Forschungsfragen der vergleichenden Minderheitenforschung.  Seit 2015 forscht sie am Sorbischen Institut in Bautzen. Im Rahmen des vom Sächsischen Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus geförderten interdisziplinären Verbundprojekts „Multiple Transformationen“ untersucht sie den Wandel der sorbischen Kultur- und Kreativwirtschaft.

Ines Keller (Dr.) hat an der Humboldt-Universität zu Berlin Ethnographie studiert. Seither bearbeitet sie Forschungsprojekte zur Kleider-, Brauch- und Migrationsforschung am Sorbischen Institut in Bautzen. Derzeit arbeitet sie zu alltagskulturellen Auswirkungen aktueller Transformationsprozesse am Beispiel des Vereinslebens in der zweisprachigen Lausitz.

3 Antworten auf „Theresa Jacobs und Ines Keller“

  1. Liebe Frau Jacobs und liebe Ines,
    vielen Dank für den Einblick in eure Arbeit bei der Spurensicherung für das Forschungsvorhaben der 1980-er Jahre. Durch die Strukturierung des Beitrags gelingt es euch darauf aufmerksam zu machen, welche Kenntnisse und Ressourcen nötig sind, um Bildmaterialien sinnvoll digitalisieren und somit für die weitere Forschung mit neuen Fragestellungen zur Verfügung stellen zu können.
    Es wäre prima, wenn eure und auch andere Beiräge der Tagung für die studentische Ausbildung zu Methodenfragen und zum Bild als Quelle im Fach genutzt werden könnten. Dadurch würde es möglich werden, dass auch die Studierenden ihre interessanten Fragestellungen mit einbringen, was wiederum unsere kollaborativen Forschungen weiter beflügeln würde.
    Vielen Dank und gutes Gelingen für die zukünftigen Arbeiten im Kontext der Komplexforschung!
    Wenn wir in Berlin mit den Erschließungen des Arbeits- und Gerätearchivs weiter vorangekommen sind, finden sich bestimmt noch manche Verbindungen zwischen den Forschungen am Sorbischen Institut und den anderen Instituen der Akademie der Wissenschaften. Dann melden wir uns.
    Mit herzlichem Gruß von Leonore (Scholze-Irrlitz)

  2. Liebe Frau Keller, liebe Theresa, das ist ja ein echter Forschungskrimi, den ihr präsentiert! Vielen herzlichen Dank dafür. Was mich nun noch interessiert, wäre, wie ihr die Positive überhaupt als von Balke stammend identifizieren konntet. Anhand der Notizen auf den Rückseiten und einem Handschriftenvergleich? Die Negative bleiben verschwunden – oder könnten die auch bei Balkes Vor- und Nachlass dabei sein und anhand der Motive bestimmt werden? Und noch eine weitere Frage zur Komplexforschung und der Fotodokumentation insgesamt. Könnt ihr anhand der im Sorbischen Kulturarchiv vorhandenen Unterlagen sagen, ob es Vorgaben gab, wie die Dokumentation zu erfolgen hatte? Hat Balke selbst einen systematischen Zugang entwickelt und den wiederum dokumentiert? Hat er auf Vorbilder zurückgegriffen oder konnte gar von früheren Erfahrungen profitieren (heißt, hat er auch bei anderen Projekten selbst zur Kamera gegriffen)? Ließe sich vielleicht am Bildbestand ein systematischer Zugang rekonstruieren? In den Sammlungen und im Bildarchiv des ISGV sind natürlich auch diverse Fotodokumentationen überliefert – u.a. eine Fragebogenaktion zu Baudenkmälern in sächsischen Dörfern aus den 1960er Jahren, eine Fotodokumentation zur Veränderung der Lebensweise in Dörfern und Kleinstädten aus den 1990er Jahren. Vielleicht wäre eine spannende Aufgabe, anhand solchen Materials und der beteiligten Akteur*innen und Bildproduzent*innen Veränderungen in der visuellen Dokumentation und deren Bedingungen nachzuspüren.

    1. Danke für das Interesse und die anregenden Fragen.
      Zunächst zur Identifizierung: Aus den Unterlagen der Komplexforschung wussten wir, dass die Volkskundler entsprechende Aufnahmen machen sollten und dass sich einer der Forschungsschwerpunkte von Balke auf die „Wohnweise“ bezog. Deshalb befinden sich auch etliche diesbezügliche Aufnahmen aus anderen Dörfern der Lausitz in seinem Nachlass. Am Ende war es tatsächlich so, dass wir anhand der äußerst korrekten und sauberen Druckschrift, die Lotar Balke auszeichnete, und seiner handschriftlichen Bemerkungen auf der Rückseite die Fotos eindeutig ihm zuordnen konnten.
      Zum Verbleib der Negative können wir bisher noch keine zufriedenstellende Antwort geben. Wir wissen bisher, dass die Filme im Fotolabor des Instituts entwickelt wurden.
      Vorgaben zur vorgesehenen Dokumentation im Sinne eines systematischen Zugangs gab es u. E. nicht. Balke war aber im Vergleich mit anderen InstitutsmitarbeiterInnen selbst viel mit der Kamera unterwegs, da ihn besonders die Bräuche und Trachten interessierten und er einer derjenigen war, die dazu im sorbischen Kontext Grundlagenforschung betrieben haben.
      Danke auch für den Hinweis, dass es sehr spannend sein kann, bei AkteurInnen als auch im Material selbst nach Veränderungen in der visuellen Dokumentation nachzugehen. Da sind wir ganz einer Meinung, dass uns dies zu interessanten Antworten in Bezug auf Wissens- und Wissenschaftsgeschichte führen kann.

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