Annett Bresan

Bildarchiv online aus der Erfahrung eines local players. Die Fotobestände im Sorbischen Kulturarchiv Bautzen
(20:28 min)

Annett Bresan (Dr.) hat an der Humboldt-Universität zu Berlin Archivwissenschaft und Geschichte studiert.  Seit 1993 forscht sie in Bautzen als Mitarbeiterin des Sorbischen Instituts zur Sorbischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Dort ist sie für die Erschließung und Betreuung des Sorbischen Kulturarchivs (SKA) verantwortlich, die unter anderem auch Fotosammlungen, Fotografennachlässe sowie Ton- und Filmdokumente umfassen.

2 Antworten auf „Annett Bresan“

  1. Liebe Frau Bresan,
    vielen Dank für den Einblick in die Bestände, Problematiken und Ordnungskriterien Ihres Bildarchivs! Meine Frage bezieht sich auf Ihre Anmerkung, dass die digitale Speicherung von Bildmedien alternative Ordnungen erlaubt, z.B. in Bezug auf Abbildungen, die oft nachgefragt werden. Löst die Digitalisierung von Bildern (mit entsprechenden Metadaten wie Schlagwörtern) nicht ohnehin – analoge – Ordnungsstrukturen auf und stellt durch Abfragen neue Zusammenhänge her? Oder ist damit ein anderer Bezug gemeint? Vielen Dank!

    1. Ordungsstrukturen sind m. E. unabhängig von der Art der Ablage, d. h. analoge oder digitale. Auch analoge Ordnungen können durch verschiedenste Kataloge – oft in Karteiform, mehrfach geordnet werden. Man denke nur an die Verfasser- oder Titelkartei früher in der Bibliothek. Und heute bietet jedes Textprogramm mit Ordnern und Unterordnern die Möglicht einer strukturierten Ablage von Dateien.
      Bei der Suche, da haben Sie Recht, ist für die Nutzer die Struktur in den meisten Fällen aufgelöst. So ist es z. B. bei der Präsentation unserer Bilder in der Deutschen Digitalen Bibliothek. Das heißt aber auch, dass der Interessent so versiert sein muss, um mit Schlagwörtern und Kombinationen und der Begrifflichkeit umgehen zu können. In der Deutschen Fotothek hat man hingegen die Möglichkeit, auch über einzelne Kollektionen eine gewisse Vorauswahl zu treffen.
      Die Auflösung der Struktur, oder ich möchte lieber sagen, des Provenienzprinzips, funktioniert allerdings nur, wenn die Bestände gut verzeichnet sind. Und diese Arbeit ist ein immenser zeitlicher Aufwand. Zumeist gibt es in Archiven aber genug unverzeichnete und nichtdigitalisierte Bestände, auf die man durch das Provenienzprinzip auch in diesem Zustand Zugang findet. Wir bekommen nach wie vor direkte Rechercheanfragen, im Netz ist ja nur ein Teil der Bilder zu sehen.

      Die erwähnten alternativen Ablagen sind eher ein Phänomen der praktischen Arbeit. (Wie gesagt, egal, ob analog oder digital.) Die digitale Art hat gegenüber einer alternativen analogen Ablage nach bestimmten Themen den Vorteil, die Bilder immer gleich mitzuliefern. (Aber selbst das kann die analoge durch mehrmalige Positivabzüge von einem Negativ, wie es bei unseren Sammlungen auch vorkommt.) Sie beziehen sich eher auf enger gefasste Themen. Wenn zum dritten Mal jemand Bilder des alten Wendischen Hauses oder wie aktuell, zu Kriegsruinen in sorbischen Dörfern anfragt, dann ist es eine Arbeitserleichterung ohne wissenschaftlich-theoretischen Hintergrund, sofort auf einen Ordner zugreifen zu können, ohne dass dafür die ursprüngliche Ordnung aufgelöst werden muss.

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