Sabine de Günther

Kleidung im Bild. Kontextualisierung und Verzahnung als Methode der vestimentären Forschung
(22:00 min)

Sabine de Günther sammelte im Anschluss an ihr Studium der Kunstgeschichte, Romanischen Philologie und Medienwissenschaften in Marburg, London und Venedig praktische Erfahrungen in der digitalen Sammlungsdokumentation. Mit den Erschließungs-Projekten Modefotografie und Mode in der Karikatur begann die Ausrichtung auf die Kostüm- und Kleiderkunde. Das interdisziplinäre Projekt „Mehrdimensionale Sammlungserschließung“am Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung an der Humboldt-Universität bot den Rahmen für die Erforschung der Gemäldesammlung des Franz von Lipperheide. Die Konferenz Zeichen und Symbole – Kleidung zwischen Bild und Realie (Signs and Symbols 2018, hrsg. v. de Günther/Zitzlsperger) suchte den multidisziplinären Zugang und stellte methodische Fragestellungen, die sich mit der Rekonstruktion von Kleidung und ihrer medialen Bedeutung befassen, ins Zentrum.

5 Antworten auf „Sabine de Günther“

  1. Sehr geehrte Frau de Günther,
    vielen Dank für die Einblicke in dieses umfangreiche und innovative Projekt. Mich interessieren Ihre Erfahrungen mit den 100 ausgewählten Objekten, welche im Sinne der Open Science kollaborativ erschlossen bzw. kontextualisiert wurden. Wurde dieser Austausch Ihrerseits gezielt moderiert und inwieweit lässt sich diese Wissensgenierung in der Datenbank nachvollziehen oder ggfs. noch erweitern?

    1. Sehr geehrte Frau Reppe,

      die 100 ausgewählten Objekte drehten sich um Kopfbedeckungen und Halsschmuck (hauptsächlich Halstücher). Für dieses OpenScience-Projekt habe ich eine Kopie meiner Datenbank mit 100 ausgewählten Objekte angelegt.
      Auf Tagungen und in Rundmails habe ich auf die Möglichkeit, diesen Sammlungsbestand anzusehen und zu annotieren hingewiesen. Willens waren hauptsächlich Trachtenberater*innen aus Süddeutschland, die über ein ausgezeichnetes Spezialwissen verfügen. In meinem Kontext weisen Kopfbedeckungen rückwärtig regionenspezifische Merkmale auf, welche auf den Gemälden ohne Kenntniss von realen historischen Kopfbedeckungen, nicht einfach zu identifizieren sind. Hier entspannen sich, besonders durch die Möglichkeit Bildbereiche auszuwählen und spezifisch zu annotieren, rege Diskussionen am Gemälde. Eine Moderation meinerseits war nicht vonnöten.

      Leider war die Betreuung der Platform nicht durch die IT des Exzellenzclusters zu bewerkstelligen, sodass die Webseite abgeschaltet wurde, nachdem ich die Diskussionen in Schriftform gesichert habe. Diese sind, mit Hinweis auf die Autorenschaft, in meine Dissertationsschrift eingeflossen.
      Eine Erweiterung ist damit leider ausgeschlossen, die Software jedoch kann gerne von einem IT-Kundigen extrahiert werden.

      Die Problematik der Autorenschaft solcher Annotationen, eine Zitationsweise und eine URI sind sicherlich Problemfelder, die noch anzusprechen und zu lösen sind. Im Rahmen von geförderten Projekten bleibt leider oft die Nachhaltigkeit auf der Strecke. Diese Probleme könnten in einem zukünftigen Projekt besser addressiert werden.

  2. Liebe Sabine de Günther,

    vielen Dank für diesen spannenden Vortrag über ein sehr beeindruckendes multidisziplinäres Digitalisierungs- und Erschließungsprojekt! Ich habe zwei Nachfragen: Wie sind Sie und das Projekt-Team bei der Entwicklung und dem Aufbau der Pina-Datenbank mit den Lücken und Leerstellen des Bestandes, die im Laufe der bewegten Sammlungsgeschichte der Gemäldesammlung Lipperheide entstanden sind, umgegangen? Und: welche Kriterien lagen der Auswahl für die 3-D-Digitalisate aus dem Germanischen Nationalmuseum zur Kontextualisierung des Bildbestandes durch zusätzliche Informationen über Materialität und Anmutung von Kleidungsstücken zugrunde?

    1. Liebe Nathalie Knöhr,

      Lücken und Leerstände bestehen im Bereich von a) fehlenden Gemälden, b) fehlenden Karteikarten, c) einer fehlenden Dokumentation der Sammlungsgeschichte und d) dem fehlenden Zugang zu den Gemälden (und besonders den Rückseiten) nach Projektende.
      Zu a) und b) Diese haben wir als Datensatz angelegt, das Bild durch ein Fragezeichen ersetzt und alle verfügbaren Archivalien, beispielsweise eine frühe Fotodokumentation, zusammengetragen. Nicht vorhandene Karteikarten habe ich nicht nachträglich angelegt, sondern die zusammengetragenen Informationen digital in PINA erfasst.
      Zu c) Um die Sammlungsgeschichte, die Verluste, Beschädigungen und Objektbewegungen zu recherchieren, habe ich die Archivalien der Staatlichen Museen durchforscht. Die Ergebnisse finden sich in meiner Dissertationsschrift „Bildkosmos der Moden: Die Gemäldesammlung des Franz von Lipperheide Genese – Kontext – Werkverzeichnis“, die hoffentlich noch 2020 erscheinen wird.
      Zu d) Hier setzt auch das Digitalisierungprojekt „Restaging Fashion“ an, um diese Informationslücken zu schließen.

      Für die Auswahl der im photogrammetrischen 3D-Scan zu digitalisierenden historischen Artefakte bilden die in der Gemäldesammlung vorhandenen Darstellungen den Ausgangspunkt. Grafische Darstellungen, sowie Schriftgut sollen diese ebenfalls kontextualisieren. Da sowohl die Lipperheidesche Gemäldesammlung als auch das GNM eine gute Auswahl an Material für das 16. und 17. Jahrhundert bieten, lag hier der Fokus. Die Rahmenbedingung des GNM bestand darin, dass die zu digitalisierende Kleider von restauratorischer Seite ohne Bedenken zu bewegen sind und dass für jene Textilien bereits eine Figurine vorhanden ist. Konkret heisst dies, dass es sich um Kleidung handelt, die bereits in einer früheren Ausstellung temporär zu sehen war.
      Habe ich Ihre Fragen beantwortet?

      1. Liebe Sabine de Günther,

        damit haben Sie meine Fragen beantwortet, haben Sie vielen Dank für die interessanten Einblicke in dieses und Ihre sich anschließenden Projekte!

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