Lutz Vogel

Die „Historischen Bilddokumente“ in LAGIS: Inhaltliche Weiterentwicklung des Bestands
(21:25 min)

Lutz Vogel (Dr.) hat Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft und Soziologie an der Technischen Universität Dresden studiert. Von 2007 bis 2016 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde in Dresden. Seit 2016 arbeitet er als Akademischer Rat am Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde und ist für die Betreuung und Entwicklung des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (LAGIS) zuständig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der (Landes-)Zeit- sowie der Migrations- und Parlamentarismusgeschichte.

6 Antworten auf „Lutz Vogel“

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Vogel,

    haben Sie vielen Dank für Ihren sehr informativen Vortrag. Viele kleinere Archive, nicht nur in Hessen, dürften vor ganz ähnlichen Herausforderungen stehen, was die quantitative Digitalisierung, die qualitative Erschließung und die Verfügbarmachung ihrer Bildbestände angeht; auch wir (die Forschungsstelle für fränkische Volksmusik) wollen mittelfristig ausgewählte Bildbestände in unserer Online-Datenbank verfügbar machen. Drei konkrete Fragen habe ich an Sie:
    1) Bewahren Sie intern auch Scans der Rückseiten der Vorlagen auf? Wie handhaben Sie Postkarten? Und ist geplant, die Meta-Informationen der Rückseiten – so vorhanden – in LAGIS einzupflegen?
    2) Inwiefern möchten Sie die heterogene Verschlagwortung aktualisieren? Werden Sie sich am Sachbegriff-Thesaurus der GND orientieren? Werden Sie auch assoziative Schlagworte vergeben und wenn ja, nach welchen Regeln?
    3) Ist eine Anbindung der Daten in LAGIS an Metadatenbanken wie Archivportal D, Europeana oder die DDB geplant?

    1. Sehr geehrter Herr Meinel,
      vielen Dank für Ihr Interesse an meinem Beitrag zu den historischen Bilddokumenten aus Hessen – und natürlich auch für Ihre Fragen.
      Rückseiten von Bildern bzw. Postkarten sind bislang leider nicht per Abbildung dokumentiert worden. Soweit für die Metadaten von Bedeutung, sind Informationen von den Rückseiten aber natürlich herangezogen worden, das Datenbankfeld „Original_bildunterschrift“ dokumentiert – zum Teil auch wörtlich – eventuelle Beschreibungen, die dort enthalten sind.
      Die Verschlagwortung wollen wir weitgehend an die GND anlehnen. Dabei ist uns natürlich bewusst, dass wir einzelne Schlagworte dort nicht abgebildet finden (und von uns aus auch bislang „nur“ GNDs für Personen und Geografika anlegen können), die aber für Hessen relevant sind – die von mir im Vortrag angesprochenen „Dorfgemeinschaftshäuser“ wären dafür ein Beispiel. Es wird also letztlich eine Mischung aus beiden sein – mit starkem Bezug zur GND.
      Eine Anbindung an Metadatenbanken ist nicht geplant. Das hängt schlicht damit zusammen, dass in den historischen Bilddokumenten praktisch keine institutseigenen Bestände vorhanden sind, sondern die Bilder fast ausschließlich von Leihgebern stammen, deren Einverständnis dazu bei der von mir beschriebenen Kampagne zur schriftlichen Einwilligung in die Online-Präsentation der Bilder nicht mit abgefragt worden ist.
      Viele Grüße
      Lutz Vogel

  2. Sehr geehrter Herr Dr. Vogel,

    ich danke Ihnen für die Eindrücke zu der Ihrem Institut vorliegenden vergleichsweise jungen Bildersammlung, die doch erstaunlich früh den Weg in die digitale Welt schaffte. Sie sprachen das Thema der Urheberrechte an, das auch für die Wissenschaft spätestens seit 2003 mit der Berliner Erklärung in den Vordergrund rückte.
    Zu dem zukünftigen Umgang mit Urheberechten erachte ich die in Ihrem Bildarchiv bereits vorhandene Unterscheidung der verschiedenen Bildvorlagen als besonders sinnvoll, da die verschiedenen Reproduktionstechniken unterschiedlichen Regelungen der Urheberrechte unterliegen (denken wir an Scans oder Lichtbildwerke etc.). Neben der Anhabe der jeweiligen Urheberrechte wäre meines Erachtens eine Ausweisung potentieller Nutzungsmöglichkeiten für Userinnen und User eine Überlegung Wert.

    Besondere Aufmerksamkeit erhielt von mir das von Ihnen angesprochene Tagebuch eines Sportklubs. Integrieren Sie das Schriftgut in das Bildarchiv mit ein und bildet somit einen Mehrwert neben den visuellen Quellen oder findet dieses Verwendung in anderen Modulen?

    Interessieren würde mich zuletzt, welche Erfahrungen Sie mit Ihrer Systematik der Verschlagwortung gemacht haben. Eben diese halte ich für äußerst wertvoll, um eine zielgerichtete Recherche zu ermöglichen. In Ihrem Beitrag konnte ich eine sehr detailreiche Verschlagwortung ausmachen (Abendmahlshauben; Abendmahlstrachen; Abendmahle). Welches Konzept lag Ihnen bei der Erstellung der Sachbegriffe vor? Ergeben sich diese Sachbegriffe aus den Suchanfragen der Nutzerinnen und Nutzern, die auf eine intensive Beschäftigung mit kulturhistorischen, volkskundlichen Fragestellungen hinweisen?

    Herzlichst, E. Huhn

    1. Sehr geehrte Frau Huhn,
      haben Sie vielen Dank für Ihr Interesse!
      Was die Nutzbarkeit für Nutzerinnen und Nutzer anlangt, so planen wir, für das gesamte Landesgeschichtliche Informationssystem ein Lizenzmodell zu entwickeln. In der Praxis soll dann – je nachdem, was die Leihgeberinnen und Leihgeber angegeben haben – die Lizenz für jedes einzelne Bild (und den Metadaten) im Datensatz nachgewiesen werden.
      Zu dem Tagebuch des Clubs: Wir haben vereinzelt auch Schriftzeugnisse mit aufgenommen (z.B. Plakate etc.), wollen das aber nicht zur Regel machen. Im konkreten Fall nutzen wir aber die Informationen aus dem Tagebuch für die Erzeugung der Metadaten, denn nur so bekommen wir die nötigen Informationen zur Kontextualisierung der Bildinhalte.
      Schließlich zur Verschlagwortung: Das gesamte Vorhaben war von Anfang an von einer großen Offenheit geprägt. Das zeigt sich in der Bildauswahl, aber auch in der Verschlagwortung. Ich nehme an – das meiste davon geschah „vor meiner Zeit“ –, dass konzeptionell eine große Detailliertheit angestrebt werden sollte, um sich nicht zu limitieren und später nacharbeiten zu müssen. Daher kommt die sehr feinkörnige Verschlagwortung. Durch regelmäßige Hinweise von Nutzerinnen und Nutzern korrigieren wir nicht nur Bildbeschreibungen, sondern bisweilen auch die Sachschlagworte. Eine Analyse der Suchbegriffe erfolgt aus Datenschutzgründen bislang nicht.
      Viele Grüße
      Lutz Vogel

  3. Danke für den interessanten Einblick in eine Sammlung, die in jüngerer Vergangenheit entstanden ist und darüber hinaus ausschließlich im digitalen Format existiert. Sind doch damit viele Herausforderungen und veränderte inhaltliche, konzeptionelle Überlegungen verbunden. Im Abschnitt zur perspektivischen Entwicklung wurde auf mögliche Felder einer thematischen Vertiefung hingewiesen, u.a. auf Protestgeschichten oder die Gestaltung des ländlichen Raums. Gerade in Bezug auf Forschungen zum aktuellen Strukturwandel können Materialien zu letzterem für vergleichende Perspektiven sehr hilfreich sein. Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, wie der vorliegende Bestand sich dazu zusammensetzt, z.B. mit der Anzahl der vorhandenen Bilder und den Motiven.

    1. Sehr geehrte Frau Keller,
      vielen Dank für Ihre Frage! Der Bestand an Bildern zum genannten Thema setzt sich sehr heterogen zusammen. Es gibt einzelne Facetten des Strukturwandels, die dokumentiert sind, in Hessen beispielsweise die im Vortrag genannten Dorfgemeinschaftshäuser (https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bd/id/133-029) oder auch Aussiedlerhöfe (https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bd/id/45-159) – beides jedoch nicht systematisch. Was in größerer Zahl vorhanden ist, sind Alltagsszenen oder auch „Dorfansichten“ (https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/rsrec/sn/bd/register/sache/entry/dorfansichten), vereinzelt auch „strukturverändernde Maßnahmen“ (zum Beispiel: https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bd/id/133-003). Was es in unserem Bestand aber bislang leider nicht gibt, ist eine umfangreichere Langzeitdokumentation aus einem (oder besser mehreren Orten), wo – am besten über Jahrzehnte – ein solcher Wandel dokumentiert wäre. Auch mangelt es strukturell an jüngeren Aufnahmen (1980er Jahre und später) – hier gibt es sicher noch viel Potenzial. Der interregionale (oder der Ost-West-) Vergleich zu dieser Frage wäre aber sicher ein sehr spannendes Thema!
      Viele Grüße
      Lutz Vogel

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